
Transferwerkstatt
Digitalisierung, Delegation und Teampraxis: Primärmedizinische Versorgung neu gedacht
Hausärtzte am Spritzenhaus, Baiersbronn
19./20. März 2026
Wie sieht Versorgung aus, wenn Digitalisierung und Arbeitsteilung wirklich im Alltag ankommt?
Genau das konnten wir mit unserer HTH-Transferwerkstatt am 19. und 20. März bei den Hausärzten am Spritzenhaus erleben.
Gemeinsam mit knapp 30 Praktikerinnen und Praktikern aus der haus- und fachärztlichen Versorgung, der Digital-Health-Branche und weiteren Bereichen des Gesundheitswesens haben wir einen praxisnahen Blick hinter die Kulissen bekommen. Im offenen Austausch wurde deutlich, was möglich wird, wenn digitale Tools, neue Rollen im Team und der Wille zur Veränderung zusammenkommen.
Über die Hausärzte am Spritzenhaus
Mangels Ärztenachwuchs drohte auch in Baiersbronn ein altersbedingter Hausärztemangel und die Schließung von Arztpraxen. Als attraktives Gegenangebot für junge Ärzte und Ärztinnen gründeten drei Allgemeinmediziner 2012 ihre Gemeinschaftspraxis in einem Gesundheitszentrum. Prof. Dr. Wolfgang von Meißner praktiziert als Facharzt für Allgemeinmedizin mit den Zusatzbezeichnungen Notfall- und Intensivmedizin seit 2014 in der Praxis, sein Bruder Dr. Paul Blickle als Facharzt für Allgemeinmedizin mit der Zusatzbezeichnung Notfallmedizin seit 2016. Die beiden Mediziner teilen nicht nur den Job, sondern auch ihr Faible für KI & Co. – gemeinsam entwickeln sie seit rund einem Jahrzehnt Softwarelösungen für die eigenen Arbeitsprozesse aus der Praxis heraus. Heute besteht die hausärztliche Praxisgemeinschaft am historischen Feuerwehrhaus – dem „Spritzenhaus“ – aus zwei inhabergeführten Berufsausübungsgemeinschaften mit insgesamt sieben Ärztinnen und Ärzten, zwei Physician Assistants (PAs), einem Studenten im praktischen Jahr (PJler), zwölf medizinischen Fachangestellten (MFAs) sowie zwei MFA-Auszubildenden.
Ziel des Konzeptes: Digital unterstützte Arbeitsaufteilung und Aufgabendelegation mit Hilfe von qualifiziertem Fachpersonal sollen die ärztliche Tätigkeit effizienter gestalten, um die Patientenversorgung auf hohem Niveau zu sichern.
Programm
19. März 2026 – Vorabendprogramm
bis 18:00 Uhr
Individuelle Anreise
18:00 Uhr
Besuch der Hausarztpraxis und Führung (inkl. Besichtigung der Räume und Technik)
20:00 Uhr
Individuelle Anreise
Pane & Vino, Freudenstädter Str. 43, 72270 Baiersbronn
20. März 2026 – Hauptprogramm
9:00 Uhr
Begrüßung
9:15 Uhr
Eröffnungsimpuls
Prof. Dr. Wolfgang von Meißner | Hausärzte am Spritzenhaus
10:00 Uhr
Thematische Vertiefung in Kleingruppen
(4 Gruppen à 45 Minuten)
- Versorgung:
Digitale Tools im Praxisalltag (Dokumentation mit Scribe, etc.) - Administration:
Digitale Prozessunterstützung (Besuch des Back Office, Ticketabarbeitung, Terminvergabe, KI-gestützter Posteingang, etc.) - Patientenperspektive:
App-Registrierung, Terminbuchung, Medikamentenmanagement, Self-Check-In, etc. - Skalierung:
MedicBot-Plattform/KI-Ansatz/Business Case
12:15 Uhr
Mittagspause
13:15 Uhr
Thematische Vertiefung in Kleingruppen
(letzte Runde der Thementische)
14:00 Uhr
Gemeinsame Abschlussdiskussion
Zusammenführung der Erkenntnisse aus den Kleingruppen und gemeinsame Diskussion zur Umsetzung sowie zur Skalierung von digitalen Versorgungslösungen.
15:00 Uhr
Ende der Veranstaltung

Was wir mitnehmen
Eine digital unterstütze und teambasierte Versorgung schafft freie Kapazitäten.
Das Beispiel der Hausärzte am Spritzenhaus zeigt eindrucksvoll, wie sich durch das Zusammenspiel von digitalen Tools und multiprofessioneller Zusammenarbeit bis zu 30 % mehr Patientinnen und Patienten betreuen lassen.
Delegation ist kein Randthema, sondern ein echter Hebel.
Knapp 40 % der direkten Patientenkontakte werden dort von Physician Assistants oder Medizinischen Fachangestellten übernommen. Das entlastet Ärztinnen und Ärzte und stärkt die Versorgung im Team.
Digitale Tools machen einen Unterschied – wenn sie sinnvoll eingebunden sind.
Terminbuchungen laufen digital, Medikationsbestellungen werden über App und digitalen Medikationsplan organisiert, KI unterstützt bei der Dokumentation. So bleibt mehr Zeit für das, was in der Versorgung zählt: die direkte Zuwendung zu Patientinnen und Patienten.
Was es dafür braucht
Nicht nur digitale Tools, sondern neue Prozesse
Digitalisierung entfaltet ihren Wert erst dann, wenn Arbeitsabläufe mitgedacht und Lösungen aus dem Versorgungsalltag heraus entwickelt werden.
Pauschalen statt kleinteiliger Einzelvergütung
Wer teambasierte Versorgung will, muss auch die richtigen Anreize setzen.
Mut, Dinge auszuprobieren
Nicht jede Lösung ist vom ersten Tag an perfekt. Aber ohne Ausprobieren gibt es keine Transformation.
Unser Fazit:
Die Frage ist nicht, ob bessere, digital unterstützte Versorgung möglich ist. Sondern, wie wir funktionierende Modelle schneller in die Breite bringen.

Danke an die Hausärzte am Spritzenhaus für die Offenheit, die Einblicke und den inspirierenden Austausch.
Christian Hinke, Senior Project Manager
Die ganze Good-Practice-Reportage
der Hausärzte am Spritzenhaus können Sie nachfolgend lesen.
Kontakt
Ihr Ansprechpartner
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