Studie: Digitale Chronikerversorgung in Europa

Die vergleichende Analyse von acht europäischen Ländern – von Dänemark, Österreich, der Schweiz, Deutschland, den Niederlanden, Katalonien (Spanien), Litauen und Zypern – zeigt deutliche Fortschritte bei der digital gestützten Versorgung chronisch kranker Patientinnen und Patienten. Entscheidend für den Erfolg sind jedoch nicht nur technische Standards, sondern klare nationale Strategien, Governance-Strukturen und verbindliche Verantwortlichkeiten, die Interoperabilität, Datennutzung und Qualitätssicherung steuern.

Unter anderem in Dänemark und den Niederlanden sind die fortgeschrittensten Systeme zu finden. Dänemark nutzt mit sundhed.dk, dem Medikamentenmanagement FMK und nationalen Telemonitoring-Programmen (z. B. für COPD) eine flächendeckend interoperable Dateninfrastruktur. Die Niederlande verbinden gesetzliche Verbindlichkeit (Wegiz) mit offenen Standards (zib, FHIR, MedMij) und aktivieren Patientinnen und Patienten über persönliche Gesundheitsumgebungen (PGOs).

Deutschland und die Schweiz befinden sich in Transformationsphasen: Deutschland führte 2025 die „ePA für alle“ im Opt-out-Modell ein und hat mit der FHIR-basierten Architektur erstmals einen durchgängigen Standardpfad geschaffen. Die Schweiz stärkt mit der EPDG-Revision ihre HL7 FHIR-Profile und die künftige Teilnahmeverpflichtung, in der Hoffnung, dass die tatsächliche Nutzung des elektronischen Patientendossiers steigt.

Beide Länder professionalisieren gerade ihre nationalen Steuerungsstrukturen – ein entscheidender Schritt, um Fragmentierung zu überwinden.

Österreich bietet mit ELGA, E-Rezept und E-Impfpass stabile Basiskomponenten. Katalonien gilt mit dem Portal HC3/LMS als Modellregion für integrierte, regional koordinierte Versorgung. Litauen verknüpft nationale Dienste (E.sveikata) mit grenzüberschreitender Interoperabilität über My- Health@EU. Zypern hat mit GESY ein zentrales, schnell wachsendes System, das jedoch noch keine durchgängige HL7-FHIR-Strategie aufweist.

Zentraler Befund über alle Länder hinweg ist die wachsende Bedeutung strukturierter Care Plans. Sie bilden den operativen Kern einer kontinuierlichen, interdisziplinären Versorgung chronisch Kranker: Pflege, Hausärztinnen, Fachärzte und Patientinnen und Patienten teilen denselben Plan, dokumentieren Fortschritte und Outcomes und ermöglichen datenbasierte Qualitätssicherung. Care Plans schaffen so den Übergang von dokumentenzu prozessgesteuerter Versorgung und sind die Grundlage lernender Gesundheitssysteme.

Europa bewegt sich damit klar in Richtung interoperabler, patientenzentrierter und Outcomeorientierter Versorgung, in der gemeinsame HL7- FHIR-Profile und Care-Plan-Modelle den Schlüssel für nachhaltige Versorgungssteuerung bilden. Dies wird durch einen inzwischen durch das europäische xShare-Projekt vorgelegten Vorschlag untermauert, der Care Plans als eigenständige Health Information Domain (HID) im Europäischen Gesundheitsdatenraum (EHDS) verankern möchte.